Die Frage klingt nach Entweder-oder, ist aber eigentlich eine Frage nach Prävention und Wiederherstellung. Beide lösen unterschiedliche Probleme – und nur eines davon hilft, wenn alles andere schiefgegangen ist.
Was macht Antiviren-Software – und was nicht?
Antiviren-Software versucht, Schadsoftware zu erkennen und zu blockieren, bevor sie Schaden anrichtet. Klassische Scanner vergleichen Dateien mit bekannten Mustern, moderne EDR-Lösungen beobachten zusätzlich das Verhalten von Programmen. Das ist wichtig und verhindert viele Infektionen.
Was Schutzsoftware nicht kann: Daten zurückholen, die bereits verschlüsselt, gelöscht oder durch einen Hardwaredefekt verloren sind. Sie hilft auch nicht, wenn ein Mitarbeiter versehentlich einen Ordner löscht, das Notebook gestohlen wird oder ein Angreifer mit echten, gestohlenen Zugangsdaten arbeitet – dann sieht für die Software alles legitim aus.
Was macht ein Backup – und wann hilft es?
Ein Backup ist deine Versicherung für den Fall, dass alles andere versagt hat. Es hilft bei:
- Ransomware, die Daten verschlüsselt
- Defekten Festplatten oder Servern
- versehentlich gelöschten oder überschriebenen Dateien
- Diebstahl, Brand oder Wasserschaden
- fehlerhaften Updates, die ein System unbrauchbar machen
Entscheidend ist, dass das Backup selbst geschützt ist. Liegt es auf einem Laufwerk, das ständig mit dem Netz verbunden ist, verschlüsselt Ransomware es gleich mit.
Warum ist das Backup im Zweifel wichtiger?
Kein Schutz ist perfekt. Neue Schadsoftware, ein Klick auf den falschen Anhang oder eine noch unbekannte Lücke reichen. Ohne Backup ist ein erfolgreicher Angriff dann eine Katastrophe, mit Backup ist er ein ärgerlicher, aber lösbarer Vorfall. Deshalb lautet unsere Antwort: Ein getestetes Offline-Backup ist die wichtigste einzelne Maßnahme – Schutzsoftware die zweitwichtigste.
Die 3-2-1-1-0-Regel: 3 Kopien deiner Daten, auf 2 verschiedenen Medien, 1 Kopie außer Haus, 1 Kopie offline oder unveränderbar, 0 Fehler bei der geprüften Wiederherstellung.
Woran erkenne ich ein gutes Backup?
- Automatisch: Es läuft ohne manuelles Zutun, täglich oder öfter.
- Getrennt: Mindestens eine Kopie ist offline, außer Haus oder unveränderbar (Immutable Storage).
- Überwacht: Fehlgeschlagene Sicherungen lösen eine Meldung aus, die jemand liest.
- Getestet: Die Wiederherstellung wird regelmäßig ausprobiert – inklusive der Frage, wie lange sie dauert.
- Vollständig: Auch Microsoft 365, Branchensoftware und Datenbanken werden gesichert, nicht nur der Dateiserver.
Wie wir das für Betriebe umsetzen, zeigen wir beim Cloud-Backup.
Und Microsoft 365? Ist das nicht schon gesichert?
Microsoft sorgt dafür, dass der Dienst läuft – nicht dafür, dass du gelöschte oder verschlüsselte Daten nach Monaten zurückbekommst. Papierkorb und Versionsverlauf haben Fristen. Für E-Mails, OneDrive, SharePoint und Teams empfehlen wir ein eigenes Backup. Mehr dazu in Microsoft 365 effizient nutzen.
Häufige Fragen
Brauche ich als kleiner Betrieb wirklich beides?
Ja. Schutzsoftware verhindert die meisten Vorfälle, das Backup rettet dich bei den übrigen. Beides gemeinsam kostet deutlich weniger als ein einziger Tag Stillstand.
Wie oft sollte ich die Wiederherstellung testen?
Mindestens einmal im Quartal stichprobenartig und einmal im Jahr für ein komplettes System. Wer betreut wird, sollte sich die Ergebnisse zeigen lassen.