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Europäische Anbieter für Sicherheitssoftware im Überblick

Virenschutz, Firewall, Passwort-Manager, Cloud: Welche Anbieter ihren Sitz in Europa haben – und warum der Firmensitz allein nicht alles entscheidet.

Reihe von Flaggen der Europäischen Union
Immer mehr Betriebe fragen nach europäischen Alternativen zu US-Software – aus Datenschutzgründen, wegen des Cloud Act oder schlicht aus dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit. Dieser Überblick nennt bekannte Anbieter nach Bereich. Er ist keine Rangliste und keine Kaufempfehlung, sondern ein Startpunkt.

Warum spielt die Herkunft eine Rolle?

Bei einem Anbieter mit Sitz und Eigentümern in der EU gelten ausschließlich europäisches Recht und die DSGVO – ein Zugriff von US-Behörden über den Cloud Act ist dann deutlich schwieriger. Bei Sicherheitssoftware ist das besonders relevant, weil sie tief ins System eingreift und oft Daten zur Analyse an den Hersteller schickt. Warum das wichtig ist, erklären wir in AI Act und Cloud Act einfach erklärt.

Endpoint-Schutz und Virenschutz

  • ESET (Bratislava, Slowakei): Virenschutz und EDR für Unternehmen, weit verbreitet im Mittelstand.
  • G DATA (Bochum, Deutschland): Endpoint-Schutz, Schulungen und Incident-Response-Dienste.
  • Bitdefender (Bukarest, Rumänien): Endpoint-Schutz und EDR, auch als Basis vieler anderer Produkte.
  • WithSecure (Helsinki, Finnland): das frühere Unternehmensgeschäft von F-Secure, mit EDR- und Überwachungsdiensten.
  • IKARUS Security Software (Wien, Österreich): heimischer Hersteller für Virenschutz und E-Mail-Sicherheit.

Firewalls und Netzwerk

  • Securepoint (Lüneburg, Deutschland): Firewalls und UTM-Lösungen für KMU.
  • LANCOM Systems (Würselen, Deutschland): Router, Firewalls und WLAN, Teil der Rohde-&-Schwarz-Gruppe.
  • Stormshield (Frankreich): Firewalls und Endpoint-Schutz, Tochter von Airbus.

Schwachstellen und Web-Schutz

  • Greenbone (Osnabrück, Deutschland): Schwachstellen-Scanner, bekannt durch das Open-Source-Projekt OpenVAS. Mehr zum Thema: Schwachstellenmanagement.
  • Myra Security (München, Deutschland): Schutz von Webseiten vor DDoS-Angriffen.

Zusammenarbeit, Speicher und Passwörter

  • Nextcloud (Stuttgart, Deutschland): Dateiablage und Zusammenarbeit, selbst gehostet oder bei europäischen Hostern.
  • Proton (Genf, Schweiz): verschlüsselte E-Mail, Cloud-Speicher, Passwort-Manager und VPN.
  • Tresorit (Schweiz/Ungarn): Ende-zu-Ende-verschlüsselter Cloud-Speicher, mehrheitlich im Besitz der Schweizerischen Post.
  • Passbolt (Luxemburg): Passwort-Manager für Teams, quelloffen.
Die Schweiz ist kein EU-Mitglied, verfügt aber über einen Angemessenheitsbeschluss der EU für den Datenschutz.

Herkunft ist nicht gleich Eigentümer

Ein Name mit europäischer Geschichte heißt nicht, dass das Unternehmen heute europäisch ist. Ein bekanntes Beispiel ist der deutsche Virenschutz Avira, der seit 2021 zum US-Konzern Gen Digital (früher NortonLifeLock) gehört. Prüfe deshalb immer: Wem gehört der Anbieter, und wo werden die Daten verarbeitet?
Umgekehrt gilt auch: Ein Anbieter außerhalb der EU ist nicht automatisch problematisch. Beim russischen Hersteller Kaspersky hat das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) 2022 eine offizielle Warnung ausgesprochen, bei vielen US-Anbietern gibt es dagegen keine Sicherheitsbedenken, sondern rechtliche Fragen zum Datenzugriff.

Wie wähle ich richtig aus?

  1. Schutzwirkung: Ergebnisse unabhängiger Testlabore wie AV-Test oder AV-Comparatives (Innsbruck) ansehen.
  2. Betreuung: Gibt es Support in deiner Sprache und einen Partner in deiner Nähe?
  3. Datenfluss: Wo werden Analyse- und Telemetriedaten gespeichert? Gibt es einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
  4. Zusammenspiel: Passt die Lösung zu deinen bestehenden Systemen, etwa Microsoft 365?
Unsere Haltung: Europäisch ist ein starkes Kriterium, aber kein Selbstzweck. Wir kombinieren europäische Lösungen mit internationalen Spezialisten dort, wo diese technisch führend sind – und sagen offen, wo welche Daten liegen.

Häufige Fragen

Gibt es eine europäische Alternative zu Microsoft 365?

Teilweise, etwa mit Nextcloud für Dateien oder europäischen Mailanbietern. Ein vollwertiger Ersatz für den ganzen Funktionsumfang ist aber ein Projekt, das gut geplant werden muss.

Welche Schutzsoftware setzt ihr ein?

Das hängt vom Betrieb ab. Einen Überblick gibt unsere Seite zu Schutzsoftware.

Über den Autor

Ing. Stefan Umgeher

Geschäftsführer, DIGITAL ASSISTANCE e.U.

Über 25 Jahre Praxis in der IT, spezialisiert auf IT-Sicherheit und Managed Services für Handwerksbetriebe und KMU. Von der WKO zertifiziert als Data & IT Security Expert, geprüfter Datenschutzexperte und akkreditierter NIS Expert.

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