Microsoft 365, Google Workspace, Dropbox, Amazon Web Services: Ein Großteil der Daten österreichischer Betriebe liegt heute bei US-Konzernen. Das ist praktisch und meist sehr sicher gegen Ausfälle und Hacker. Die Frage ist eine andere: Wer außer dir kann darauf zugreifen? Wir versuchen eine nüchterne Antwort ohne Alarmismus.
Was wissen US-Hyperscaler über mein Unternehmen?
Ein Cloud-Anbieter verarbeitet alles, was du bei ihm speicherst – E-Mails, Dateien, Kalender, Chats – sowie Metadaten wie Anmeldezeiten, Geräte und Kontakte. Technisch hat er Zugriff, organisatorisch ist dieser bei seriösen Anbietern streng beschränkt und protokolliert. Zusätzlich fällt Telemetrie an: Nutzungsdaten über Programme und Geräte, deren Umfang sich teilweise einschränken lässt.
Wer kann rechtlich auf die Daten zugreifen?
- Cloud Act: US-Behörden können von US-Anbietern die Herausgabe von Daten verlangen, die diese kontrollieren – unabhängig vom Speicherort. Mehr dazu in AI Act und Cloud Act einfach erklärt.
- US-Überwachungsgesetze wie Section 702 des FISA erlauben Geheimdiensten die Überwachung von Nicht-US-Personen über US-Anbieter.
- Europäische Behörden können natürlich ebenfalls Daten anfordern – aber nach europäischem Recht und mit europäischem Rechtsschutz.
Hilft das EU-Rechenzentrum nicht?
Es hilft beim Datenschutz im Alltag und bei der Geschwindigkeit. Microsoft hat mit der „EU Data Boundary“ zugesagt, Kundendaten von EU-Kunden weitgehend innerhalb der EU zu speichern und zu verarbeiten. Gegen den Cloud Act schützt ein europäischer Speicherort allein aber nicht, weil es auf die Kontrolle durch das US-Unternehmen ankommt, nicht auf den Standort der Server.
Ist die Nutzung von US-Clouds überhaupt erlaubt?
Ja. Seit Juli 2023 gibt es das EU-US Data Privacy Framework, einen Angemessenheitsbeschluss der EU-Kommission für zertifizierte US-Unternehmen. Datenschutzrechtlich ist die Nutzung von Diensten wie Microsoft 365 damit grundsätzlich zulässig – mit Auftragsverarbeitungsvertrag und passenden Einstellungen. Ob der Rahmen langfristig hält, ist offen: Seine Vorgänger Safe Harbor und Privacy Shield hat der Europäische Gerichtshof 2015 und 2020 für ungültig erklärt.
Wie gläsern bin ich also wirklich?
Ehrlich eingeordnet: Für einen typischen Handwerksbetrieb ist das Risiko, dass US-Behörden gezielt seine Daten anfordern, gering. Relevanter wird die Frage für Betriebe mit besonders sensiblen Daten – etwa im Gesundheitsbereich, bei Rechtsberatung, in sicherheitsrelevanten Branchen oder mit wertvollen Geschäftsgeheimnissen. Und ein zweites Thema betrifft alle: die Abhängigkeit von wenigen Anbietern, deren Preise, Lizenzbedingungen und Verfügbarkeit du nicht beeinflussen kannst.
Was kann ich tun?
- Daten einteilen: Öffentlich, intern, vertraulich, streng vertraulich. Nur für die letzten beiden Stufen brauchst du besondere Maßnahmen.
- Selbst verschlüsseln: Besonders sensible Dateien mit einem Schlüssel verschlüsseln, den nur du verwaltest. Dann sind herausgegebene Daten unlesbar.
- Europäische Alternativen gezielt für sensible Bereiche einsetzen, siehe Europäische Anbieter für Sicherheitssoftware.
- Telemetrie einschränken und Datenschutzeinstellungen in Microsoft 365 und Windows bewusst setzen.
- Eigenes Backup außerhalb des Anbieters: schützt vor Datenverlust und reduziert die Abhängigkeit. Mehr beim Cloud-Backup.
- Exit-Plan: Wie kämst du mit deinen Daten zu einem anderen Anbieter? Wer das weiß, ist nicht ausgeliefert.
Unsere Haltung: US-Clouds pauschal zu verteufeln ist genauso falsch wie sie blind zu nutzen. Wir setzen internationale Dienste dort ein, wo sie technisch überlegen sind, und sorgen dafür, dass sensible Daten zusätzlich geschützt sind und du jederzeit wechseln könntest.
Häufige Fragen
Liest Microsoft meine E-Mails?
Nicht im Sinne von Menschen, die mitlesen. Automatische Verarbeitung findet statt, etwa für Spamfilter und Suchfunktionen. Menschliche Zugriffe sind bei Microsoft an strenge Freigaben gebunden und für Kunden mit passender Lizenz protokollierbar.
Sollte ich Microsoft 365 verlassen?
Für die meisten Betriebe nicht. Sinnvoller ist es, Microsoft 365 richtig abzusichern und für besonders sensible Daten ergänzende Lösungen zu nutzen. Tipps dazu in Microsoft 365 effizient nutzen.